Schweiz - Wil im Kanton Sankt Gallen

Gemeinderatsprotokoll von 1908

Die s/w-Fotos zeigen die Wettersäule in Wil errichtet 1908 an ihrem ursprünglichen Platz im oberen Teil der Allee.

====Quelle: Wiler Zeitung vom 15.04.2004 ====

Hundertjährigen Charme erhalten

95-jährige Wetterstation aus der Allee wurde restauriert und provisorisch vor Stihl & Co. aufgestellt
Nach fünf Jahren ist die Wiler Wetterstation wieder der Öffentlichkeit zugänglich. Nach 90 Jahren in der Allee und fünf Jahren im Werkhof steht die alte Dame nun restauriert vor der Stihl & Co. an der Hubstrasse.

CHRISTOPH OKLÉ

Fast gäbe es die Wiler Wetterstation nicht mehr. Während 90 Jahren hatte sie im oberen Teil der Allee gestanden, wurde abgeräumt und dämmerte in bedauerlichem Zustand während Jahren im Baumagazin des Werkhofs dahin.

Dass die Station, die ohne Auflagen im Jahr 1998 vom Verkehrsverein an die Stadt Wil übergegangen war, wohl nicht mehr an ihren angestammten Platz zurückkehren würde, beschäftigte den Vorstand des Verkehrsvereins so sehr, dass sich dessen Mitglied Walter Engelhard, Geschäftsführer der Firma Stihl & Co. entschloss, diese restaurieren zu lassen und vorläufig auf dem Firmenareal aufzustellen.

Als Abschiedsgeschenk

Gestern war es so weit: In einer kleinen Feier wurde die restaurierte Wetterstation eingeweiht. In einem kurzen Abriss blendete Ruedi Schär, der sich dem Schicksal der «alten Dame» angenommen und die Restaurierung organisiert hatte, in deren Geschichte zurück. 1909 wurde die von Paul Truniger entworfene und von Bildhauer Schoch geschaffene Wettersäule eingeweiht. Schär wies darauf hin, dass es sich bei Truniger um einen bedeutenden Wiler Architekten handelt, der unter anderem die Schülhauser Allee, Klosterweg und St.Katharina wie auch die alte Post gebaut hatte. Dies allein rechtfertige die Bemühungen, die von ihm entworfene Wetterstation der Nachwelt zu erhalten, betonte Schär. Er zeigte sich glücklich darüber, dass Walter Engelhard - als Abschiedsgeschenk zu seinem Rücktritt aus dem Vorstand des VVW - die Restaurationskosten übernommen hatte, die Firma Venturini kam für Hygrometer und Barometer auf. Als passend empfand er den gegenwärtigen Standort an einem Wanderweg nahe der neuen Kantonsschule. Passend fand dies Schär nicht nur, weil Architekt Truniger Schulhäuser gebaut hatte, sondern auch wegen der Vorreiterrolle, die die Stadt Wil im Bildungswesen gespielt hat. So liegt die Ersterwähnung eines Lehrers an der Lateinschule (Gymnasium) Wil im Jahr 1269. Ausserdem war 1418 die Rede von einer Schulmeisterin in Wil.

Jurakalk als Fundament

Ruedi Schär sprach sich dafür aus, dass in einer Stadt nicht nur dem Grossen Aufmerksamkeit geschenkt werde, sondern auch kleineren Dingen wie beispielsweise dieser Wetterstation. Dies mache den Charme einer von Touristen besuchten Stadt aus. Bildhauer- und Steinmetzmeister Felix Hotz, der schon den Pankratiusbrunnen in der Altstadt restauriert hatte, erklärte bei der Einweihung, dass es ihm darum gegangen sei, den Charakter der bald hundertjährigen Wetterstation auf Jurakalkstein zu erhalten.

Chronologie statt Illustration

Stadtpräsident Bruno Gähwiler zeigte sich erfreut über die dank privaten finanziellen Engagements gefundene Lösung. Ob die Wetterstation, wie immer wieder von der Öffentlichkeit gefordert, einst an ihren angestammten Platz zu stehen kommen wird, konnte er nicht sagen, da der Projektierungswettbewerb zur Neugestaltung in der Allee läuft und dessen Ergebnis abgewartet werden müsse. Ob die Wetterstation allenfalls andernorts in der Stadt eine neue Heimat findet? Fest steht, dass sie die nächsten fünf Jahre bei Stihl zu sehen sein wird. Auf der Ostseite sind die neuen Baro-, Hygro- und Thermometer montiert. Auf der Westseite lassen sich die Temperaturen an Stäben mit Skalen in Réaumur, Fahrenheit und Celsius ablesen. Anstelle der 1976 von Georg Rimensberger zum 750-Jahr- Jubiläum der Stadt geschaffenen Illustration, die nun ins Stadtarchiv kommt, informiert auf der Südseite eine Tafel über die Chronologie der Wiler Schulen. Trotz akribischer Recherchen liess sich noch immer nicht eruieren, was die Einlassung gegen Norden einst beherbergt hatte.

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Aus den Protokollen des Verkehrsvereines Wil.

Die Wettersäule in der Allee

Comite-Sitzung Freitag, 25.9.1908, 18 Uhr, Hotel Bahnhof

Kostenvoranschlag für Instrumente: Fr. 400.--. Offerte von Bildhauer Schoch zur Erstellung der Säule: Fr. 1000.--. Entwürfe werden vorgelegt von Architekt Paul Truniger, Wil.
Die Lieferung der Instrumente wird Uhrenmacher Klaus übertragen. Feststellung: Die Kosten der zu erstellenden Wettersäule erreichen die Voranschlagssumme bei weitem nicht, so dass man beschliesst, auf der Kirchterrasse zusätzlich einen Wettertelegraphen zu plazieren. Zuvor sollen aber noch Erkundigungen eingeholt werden in Lichtensteig, wo ein solcher existiert.

Comite-Sitzung Donnerstag, 8.10.1908, 20.30 Uhr, Thurgauerhof

Architekt Truniger unterbreitet eine Zeichnung in natürlicher Grösse für die zu erstellende Wettersäule. Der Auftrag dazu geht an Truninger und Bildhauer Schoch, Für die Kirchterrasse werden die gleichen Instrumente wie an der Wettersäule vorgeschlagen, da ein Wettertelegraph zu kompliziert und nicht allgemein verständlich ist, wie die Informationen aus Lichtensteig ergeben haben. "An der tit. Primarschulrat ist mit Rücksicht auf die Bedeutung der Wettersäule für die Schule ein Gesuch auf Zuwendung eines Beitrages an die Erstellungskosten derselben einzureichen".

Comite-Sitzung Dienstag, 30. März 1909, 20.15 Uhr, zur Erheiterung

Noch immer sind die Instrumente für die Wettersäule nicht eingetroffen, weshalb deren Aufstellung noch unterbleiben musste. "Herr Arch. Truniger unterbreitet dem Comite an Hand einer Zeichnung eine Vorlage für die in der obern Stadt anzubringende Tafel mit den Instrumenten, wie solche an der Wettersäule angebracht werden". Kostenvoranschlag: Fr, 460.-- ohne, Fr. 700.-- mit Instrumenten.

An der ordentlichen Hauptversammlung, Montag, 17. Mai 1909, 20.00 Uhr, im Hotel Bahnhof wird von der endlichen Verwirklichung des alten Postulates berichtet, nämlich eine Wettersäule in der Allee zu errichten.

s/w-Fotos und Informationen: Stadtarchiv Wil
Farbfotos: Paul Bächtiger im Mai 2004


Übersicht Wettersäulen

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