Österreich - Waidhofen an der Ybbs

Diese 1900 errichtete Wettersäule in Waidhofen wurde im Jahr 2000 von Ihrem ehemaligen Standort am Oberen Stadtplatz entfernt, zwischenzeitlich restauriert und im Schillerpark wieder aufgestellt. Die neuen Instrumente wurden von der Firma Lufft hergestellt.

Sommer 1999

Weihnachten 1939

von Herrn Karl Piaty haben wir folgende Informationen erhalten.

Zum Aufstellungsdatum ist folgendes zu berichten: Um 1895 gab es mitten in der Stadt Waidhofen/Ybbs ein Rothschild Jagdschloss, was auch heute noch besteht. Eine wunderbare Burganlage mit sehr altem Burgfried. Für den Innenhof dieses Schlosses hat der Baron Rothschild um 1895 einen schmiedeeisernen Baldachin für einen Brunnen bestellt. Scheinbar mit dem Werk künstlerisch nicht ganz zufrieden, wurde der Brunnen nicht aufgestellt und Baron Rothschild schenkte den Überbau der Stadt Waidhofen. Hier wohnten zu dieser Zeit besonders viele künstlerisch begabte Handwerker und so wurde das Wetterhäuschen gebaut und nach den Zwiebeltürmen der Stadt gestaltet. Heute heißt unsere Stadt auch "Stadt der Türme", weil wir eine Vielzahl hoher Kirch- und Stadttürme mit Zwiebeldach besitzen. Nach ersten Planungen um 1897 wurde die Wettersäule 1900 fertiggestellt.

Das alte und von der Bevölkerung beliebte Wetterhäuschen hatte in den letzten Jahren eine turbulente Zeit hinter sich.

Im Jahre 1986 wurde das Wetterhäuschen mit großem finanziellen und handwerklichen Aufwand generalüberholt. Herr Teufel, von dem übrigens auch die vielen Postkarten stammen, hat gemeinsam mit dem damaligen Chef und Mitarbeitern des städtischen Wasserwerkes viele kleine Einzelteile wie z.B. die Windfahnen völlig neu nach den alten Mustern hergestellt.

Obwohl sowohl der Standort als auch das Wetterhäuschen selbst unter Denkmalschutz standen, wurde im Jahr 2000 durch eine Dringlichkeitsverfügung des Vizebürgermeisters (der Bürgermeister war in Urlaub) dieser Schutz innerhalb weniger Stunden hintergangen.

Der Auftrag zur Abtragung wurde dem städtischen Bauhof angeordnet, welcher innerhalb weniger Stunden den alten Steinsockel in der Innenstadt zerschlug und das Wetterhäuschen auf eine Deponie verbrachte.

Nur eine Handvoll entschlossener Bürger brachte es zuwege, das der Bürgermeister das alte Wetterhäuschen im sogenannten Schillerpark 2001 wieder aufstellen ließ. Der alte Steinsockel war aber nicht mehr verwendbar. Der Platz im Schillerpark hat keinerlei historischen Bezug auf das Wetterhäuschen.

weitere Zeitzeugen eines Jahrhunderts

1900

1901

1911

1925

1930

1930

1939

 

1955 festlich geschmückt
zur Feier des Staatsvertrages

mehr Infos zur jüngeren Geschichte Waidhofens

1997 noch vor dem Rathaus

 


Im Gemeinderatssitzungssaal von Waidhofen/Ybbs hängt ein Grossgemälde des bekannten österreichischen Künstlers Professor Klaus aus dem Jahre 1941.

Dieses den gesamten Saal einnehmende Gemälde wurde während der Hitlerzeit vom damaligen Bürgermeister Zinnert in Auftrag gegeben und zeigt die Stadt Waidhofen in künstlerischer Großmanier.

1945 wurde dieses Bild von der russischen Besatzungsmacht konfisziert und sollte vernichtet werden, weil die Stadt unter Hakenkreuzfahnen gezeigt wurde.

Ein milder russischer Besatzungsoffizier gab den Waidhofnern einige Tage Zeit, diese Fahnen zu übermalen um damit das Bild zu retten. Was auch geschah. Seitdem zeigt sich das Bild mit rot weiß roten Fahnen, aus den Militärs wurden Bauern und verwundete Kriegsheimkehrer. In der Mitte des Bildes prangt das historische Wetterhäuschen, unübermalt und in der Darstellung von damals.

Im Direktionszimmer der örtlichen Sparkasse befindet sich eine Zeichnung aus dem Jahr 1919 und 1986 wurden noch die Adventtage direkt am oberen Stadtplatz vor dem Wetterhäuschen gefeiert.

Abbruch der Säule am oberen Stadtplatz und die Zeit auf der Mülldeponie 2000

  
  

Wiederaufbau im Schillerpark 2001

Wie befürchtet, hat sich der Schillerpark zu einer regelrechten "Saufanlage für Jugendliche" entwickelt. Durch die dunkle Abgeschiedenheit des Gebietes war es der Polizei nicht mehr möglich, Herr der Lage zu sein, so dass der Bürgermeister ein Alkoholverbot und Ansammlungsverbot für den Park erlassen hat. Das Wetterhäuschen wird immer wieder als Klettergerüst verwendet, die robuste Ausführung des Schmiedeeisens hat bisher gröbere Schäden verhindert.

2004

die ersten Beschädigungen an Überbau und Wetterhäuschen sind zu beklagen. Die Wetterfahne wurde aus dem Dach gerissen und der "Ostpfeil" total verbogen.

Was 2 Weltkriege und die Besatzungsmacht überlebt hat, wird nun jugendlichem Übermut geopfert.

Und so entwickelte sich der Obere Stadtplatz

Fremdenverkehrsprospekt 1971
(Wetterhäuschen ohne Instrumente)

Umbau des Stadtplatzes Sommer 2000
(Mariensäule und Wetterhäuschen sorgfältig geschützt)

Abrißarbeiten 2000

Palmsonntag 2003 an der gleichen Stelle

 

 

 

dabei sah die Planung von Architekt Dipl.Ing. Beneder
1999 das Wetterhäuschen noch an gleicher Stelle vor.

Ende Juni 2003 ist das neue Dehio-Handbuch für Niederösterreich südlich der Donau erschienen. In diesem Handbuch werden für Waidhofen gleich zwei Wetterhäuschen (eines am oberen Stadtplatz und eines im Schillerpark) notiert. Der umstrittene Brunnen aus dem Jahr 2000 ist ebenfalls als Denkmal erwähnt.

Wir haben einige Rückmeldungen von Waidhofner Bürgern erhalten, die wir hier abbilden.

Gerhard Binder schrieb am 22.04.2003
Ihre Initiative, Herr Mahr, ist begrüßenswert! Wir Waidhofner würden uns freuen, wenn unser wunderschönes Wetterhäuschen seinen angestammten Platz in der Altstadt wieder erhalten würde! Liebe Grüße und weiter so. Gerhard Binder


Erich Vetter schrieb am 28.04.2003
In Beantwortung Ihres Schreibens vom 17.4.2002 möchte ich Ihnen folgendes mitteilen: Wie Sie schon wissen, stand seit ca. 1895 auf dem Oberen Stadtplatz ein Wetterhäuschen mit einer schmiedeeisernen Einfassung, in Form eines Brunnengerüstes. Die Schmiedearbeit ist eine handwerklich sehr gediegene und entspricht alter Schmiedetradition. Ebenso die Kupferblecharbeiten für das Dach und die Türmchen. Ich verstehe etwas davon, denn ich bin von Beruf Schlossermeister.

Die gesamte Einheit war eine Bereicherung des Stadtbildes einer alten Eisenstadt. Bei der Neugestaltung der Innenstadt im Jahre 2000 (Pflasterung statt Asphalt) wurde das Wetterhäuschen im Auftrag des damals amtierenden Vizebürgermeisters Hofmacher - der Bürgermeister war im Ausland auf Urlaub - mittels einer Dringlichkeitsverfügung entfernt. Der eigentlich dafür zuständige Gemeinderat hatte Sommerpause. Begründung war: "Während der Bauarbeiten stört die Konstruktion. Nach Fertigstellung der Pflasterung wird das unter Denkmalschutz stehende Wetterhäuschen wieder an Ort und Stelle aufgebaut." Eigentlicher Drahtzieher diese Aktion war mein direkter Nachfolger als Bürgermeister, der heutige Landesrat Mag. Wolfgang Sobotka. Ich war fast 23 Jahre im Amt, Sobotka ganze 2 ½ Jahre. Im Stadterneuerungsplan des Herrn Architekten Beneder, in dessen Händen die Neugestaltung der Stadt lag, war das Wetterhäuschen als Bestand erhalten. Zum größten Entsetzen der Waidhofner Bürger wurde das Wetterhäuschen nach Fertigstellung der Pflasterung nicht mehr am Oberen Stadtplatz aufgestellt, sondern lagerte auf einer Deponie.

Nach massivsten Protesten und vielen Leserbriefen in unserer Wochenzeitung "Bote von der Ybbs" entschloss sich die Stadtverwaltung, das Wetterhäuschen im Schillerpark, der etwa außerhalb der Stadt situiert ist, doch wieder aufzustellen. So ist das Wetterhäuschen für die Stadt nicht gänzlich verloren. Es hat aber mit dem Schillerpark überhaupt keinen Bezug, und wird auch kaum von jemandem gesehen. Denn Besucher der Stadt kommen nie in den Schillerpark und die heimischen Senioren, oder Schüler des Gymnasiums, welches gleich daneben steht, interessiert das Häuschen überhaupt nicht. Der Unmut der Bevölkerung über diese Vorgangsweise ist ungebrochen, noch dazu, weil statt dem gediegenen und die Eisenstadt Waidhofen betonenden Wetterhäuschen ein hässlicher, moderner Brunnen aus Nirostablech und Glas aufgestellt wurde.

Im Volksmund heißt der Brunnen "Die Viehtränke". Im Zuge der "Modernisierung" wurde auch eine wunderbare schmiedeeiserne Laterne vom stadteigenen Gerichtsgebäude entfernt. Dafür "zieren" einige verzinkte Stahlkonstruktionen die Innenstadt. Ich erhielt als ehemaliger Bürgermeister eine ganze Reihe von Schreiben, in denen um Intervention wegen einer Wiederaufstellung des Wetterhäuschens am alten Standort ersucht wurde. Alle Versuche in dieser Richtung waren bisher vergebens. Zu groß ist die Macht und der Einfluss meines direkten Nachfolgers und jetzigen Landesrates noch immer in unserer Stadt. Er ist Finanzreferent des Landes und bringt so manche Gelder in die Stadt. Darum trauen sich die Stadtverantwortlichen gar nicht ihm zu widersprechen.. Leider ist es so.

Vielleicht gelingt es einmal auf anderen Wegen und bei einer anderen politischen Konstellation, das Wetterhäuschen wieder dort hinzubringen, wohin es gehört - auf den Oberen Stadtplatz. Ich hoffe, Ihnen mit dieser Information gedient zu haben und verbleibe mit freundlichen Grüßen


Herr Friedrich Rechberger schrieb am 21.05.2003
Als zuständiger Stadtrat für Telekomunikation, Information und EDV in Waidhofen/Ybbs ist mir das alte Wetterhäuschen ein willkommener Anlass, traditionelle Information mit modernster Satelitentechnologie zu ergänzen. Der ORF in Österreich sendet im Internet rund um die Uhr die exaktesten Wetterwerte der gesamten Welt - zum Nulltarif.

Ich könnte mir vorstellen, dass in das alte Wetterhäuschen diese moderne Funktion eingebaut wird, ohne sein traditionelles Aussehen zu verändern. Voraussetzung wäre jedoch wieder ein publikumswirksamer Platz in der Innenstadt. Der derzeitige Standort im abgelegenen Schillerpark ist ungeeignet. Ihre bewundernswerten Aktivitäten bezüglich des Waidhofner Wetterhäuschens könnten bald Aufschluss über die wahren Hintergründe der Entfernung vom Oberen Stadtplatz bringen. Zur Zeit der überfallsartigen Entfernung des Wetterhäuschens war ich noch einfacher Gemeinderat. In dieser Funktion wurden ich und meine Gemeinderatskollegen nicht informiert, daher erscheint eine restlose Aufklärung der Sachlage im Interesse der Waidhofner Bevölkerung. Vorerst recht herzlichen Dank für Ihr Bemühen, erhaltenswerte Traditionen in Europa so gekonnt darzustellen und damit wieder zu beleben.


Wir haben im Frühjahr 2003 das Bundesdenkmalamt mit der Bitte angeschrieben, uns eine Stellungsnahme zu der Umsetzung der Wettersäule zukommen zu lassen. Unseres Wissens hat ein Mitarbeiter daraufhin vor Ort recherchiert.

Mitte Juli haben wir einen kurz gehaltenen Brief erhalten. Demnach wird die Bedeutung des Wetterhäuschen von Waidhofen im Kontext des Denmalbestandes relativiert. Der Standort im Schillerpark wäre gutzuheißen. Aber bitte: Lesen Sie selbst:


am 17.07.2003 erschien im Lokalanzeiger der OÖN ein umfassender Artikel über das Wetterhäuschen und über den neuen Brunnen. Die Aussagen von Herrn Erich Vetter siehe oben wurden in diesem Artikel zitiert.


Herr Norbert Prieler schrieb am 20.07.2003
Auch ich sage sehr herzlich danke für Ihre Bemühungen.Ich würde es sehr begrüssen wenn das Wetterhäuschen in Waidhofen an der Ybbs wieder seinen ursprünglichen Platz einnehmen könnte. Nur wenige Menschen gehen in den Schillerpark "wetterschauen".Mein Vorschlag: Den modernen Brunnen auf den Vorplatz zwischen dem Veranstaltungszentrum und dem Hotel an der Eisenstrasse versetzen!!!!!!!Dort würde er architektonisch gut hinpassen.


Liebe Waidhofner, liebe Gäste dieser Internetseite.
ich bin persönlich der felsenfesten Überzeugung, daß irgendwann das Wetterhäuschen in Waidhofen wieder an seinem ursprünglichen Platz stehen wird. Hierzu sind Beschlüsse notwendig, die in einer Demokratie erarbeitet werden müssen. Es kann auch nicht verborgen bleiben, daß mir alte Wettersäulen weitaus besser gefallen als neumodische Brunnen. Wäre es anders, würde ich eine Internetseite über neumodische Brunnen betreiben. Ich werde mich bemühen, weiterhin Ihre Meinungen zu der Standortfrage hier abzubilden und es würde mich freuen, auch mal Kontakt mit einem Befürworter der derzeitigen Lösung zu bekommen.

Ich hoffe, daß diese Bilddokumentation die Erinnerung an "die alten Zeiten am Oberen Stadtplatz" wachhält und zur rechten Zeit eine befriedigende Lösung gefunden werden kann. Ich jedenfalls freue mich, daß anderswo wesentlich pfleglicher mit dem "Kulturerbe Wetterhäuschen" umgegangen wird. Gerhard Mahr im Juli 2003

Auf der Homepage vom Kulturkreis Freisingerberg finden Sie weitere und zum Teil aktuellere von Herrn Karl Piaty zusamengetragene Informationen über das Wetterhäuschen in Waidhofen: http://www.piaty.at/kulturkreis/doku_wetterhaus/index.htm

Fotos: Karl Piaty, Waidhofen


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