Die Urania-Uhren- und Säulen-Commanditgesellschaft aus Berlin

Am Sonnabend, dem 14. Mai 1892 war es soweit. Die erste Urania-Säule wurde in Berlin - Unter den Linden gegenüber vom Kultusministerium feierlich enthüllt.

Noch in der Nacht zum Sonntag wurden mindestens 17 weitere gleichartige Uraniasäulen in Betrieb genommen. Einige Zeitungen berichten sogar von 20 Säulen. Und weitere 20 Säulen sollen sich zu diesem Zeitpunkt im Bau, insgesamt 300 in Planung befunden haben.

Den Entwurf zu der Säule lieferte Prof. Schupmann aus Aachen.

Aus einem Prospekt : Der Uhrturm über quadratischem Grundriß mit abgefaßten Kanten wird von einem Werkgehäuse "mit dem Bilde der Urania mit der Weltkugel als dem Symbol des von den Himmelsbewegungen entnommenen Zeitmaßes und der Naturerkenntnis überhaupt" und vier großen, von innen beleuchteten Ziffernblättern bekrönt. Schaft und Sockel der Uhren-Säule tragen von gußeisernen Lampen erleuchtete Geschäftsreklame.

In der Säule war ein Aßmannscher Aspirations-Meteorograph im Wert von rund 1.000 Mark eingebaut, der von der renomierten Firma Fuess in Berlin hergestellt wurde. Gegenüber herkömmlichen Geräten zeichnete sich dieses Instrument dadurch aus, daß fortwährend die zu messende Außenluft als Luftstrom zugeführt wurde und somit die Strahlungseinflüsse, denen die Apparate ausgesetzt waren, die Meßergebnisse nicht verfälschen konnten. In einem Anzeigenfenster wurden Wettervoraussagen der königlichen Wetterwarte ausgehängt.

Herr Prof. Wilhelm Foerster, seinerzeit Direktor der königlichen Sternwarte veröffentlichte am 12.11.1890 im Preußischen Staatsanzeige einen Artikel mit dem Titel: "Die Zukunft der öffentlichen Zeitangaben und Wetteranzeigen". Im Jahr 1892 gab er eine Erklärung über die Zuverlässigkeit der Uhren-Regulierungen und meteorologischen Apparate ab.

 


ein Zitat aus der damaligen Zeit:

"Mit voller Klarheit war den Beteiligten bekannt, dass das Publikum heute in der Tat selbst schon so viel Kritik besitzt, um genau zu erkennen, wie wertlos Einrichtungen sind, welche die Zeit und die Elemente, auf die das jeweilige Urteil über das in den nächsten Stunden zu erwartende Wetter zu gründen ist, nicht mit all der Genauigkeit angeben, welche Wissenschaft und Technik heute erwarten lassen. Und gerade in den Grosstädten lag in letzter Beziehung doch alles noch im argen........"

Wir haben in der Staatsbibliothek Berlin eine Broschüre aus dem Jahr 1892 finden können. Auf 84 Seiten werden in diesem Heft Zeitungsberichte über die Aufstellung der Säule wiedergegeben. Hier finden sich auch sehr detaillierte Beschreibungen. Drei der Seiten haben wir unten exemplarisch eingefügt. Am Ende dieser Seite finden Sie einen Link zum Download der kompletten Broschüre im pfd-Format.

Werbung aus dem Jahr 1894Die Urania-Säulen-Aktien-Gesellschaft hatte nicht den gewünschten Erfolg. Nach Aufstellung von nur 30 Säulen ging die Firma 1895 schließlich in Konkurs. Die Bemühungen des Magistrats von Berlin um die Verpachtung der vorhandenen und die Neugestaltung weiterer Säulen kamen nicht voran, so daß schließlich der Betrieb der Uhren und Apparate gegen Entgelt von der Gesellschaft "Normalzeit" wahrgenommen und die Werbeflächen verpachtet wurden. Mit dem Pächter der Berliner Urania-Säulen, Siegfried Cronbach , schloß die Stadt Schöneberg 1901 einen Vertrag über die Aufstellung von acht Urania-Säulen ab, von denen aber nur sechs in Betrieb genommen und von der "Normalzeit" betreut wurden.

Der Inflation fielen dann alle Normal- und Uraniauhren zum Opfer; ihre Unterhaltung konnte nicht mehr bezahlt werden und in der Nacht zum 01.April 1923, einem Ostersonntag, wurden alle öffentlichen Uhren abgestellt. Aufgrund eines Vertrages, den die Stadt schon 1922 mit der Firma Heinrichs & Klauder abgeschlossen hatte, beseitigte diese die alten Uhren und stellte 80 Uhrenreklamesäulen auf.

Im Laufe der Zeit nach 1895 verschwanden bei allen Säulen die runden Gaslaternen und fast alle Säulen erhielten unterhalb der Uhr den rechteckigen Werbeträgerrahmen, teilweise einen weiteren Aufbau für Werbezwecke oberhalb der Uhr.

komplette Broschüre im pdf-Format = 4,2 MB

weitere Quellen:
Katalog der Ausstellung: Straßenmöbel in Berlin - Dezember 1983

Stadtarchiv Krefeld.

 

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