Lambrecht`s Wettertelegraph 1881 bis ca. 1960 - kleines Instrumentenmuseum
unverzichtbarer Bestandteil einer Wettersäule sind die meteorologischen Instrumente. Vor rund einhundert Jahren waren diese gemessen an den sonstigen Lebenshaltungskosten sehr teuer, so daß sich nur wenige Privatpersonen diese Instrumente anschaffen konnten. Daher wurden auf öffentlichen Plätzen nicht nur Wettersäulen installiert. In öffentlichen Räumen wurden auch andere kleinere Wetterinformationsstationen installiert. Hierzu gehört unter anderem auch der Wettertelegraph
Das Thermohygroskop
Das
Thermo-Hygroskop ist die Verbindung eines thermometrischen und eines hygroskopischen
Körpers. Es zeigt die Schwankungen des Taupunktes an, der sich je nach
der herrschenden Luftfeuchtigkeit und Lufttemperatur ändert. Der Taupunkt
ist diejenige Temperatur, bei der sich die in der Luft vorhandene Feuchtigkeit
zu Niederschlag (Nebel, Tau, Wolken,Regen, Schnee usw.) verdichtet.
Fallender Taupunkt bedeutet im allgemeinen günstiges Wetter, steigender Taupunkt ungünstigeres. Der Zeiger des Thermohygroskopes steigt bei fallendem Taupunkt, wenn demnach trockenes Wetter zu erwarten ist. Er fällt bei steigendem Taupunkt und kündigt damit schlechteres Wetter an. Die einfachen Scalen wurden aus Karton gefertigt. Bessere witterungsbeständige Scalen wurden aus Milchglas hergestellt.
Es gibt eine zwei Ausführungen der Thermohygroskope.
Näheres kann mann in der Broschüre Lambrecht`s
Thermohygroskop und Wettertelegraph nachlesen.
Ein Barometer allein reicht niemals zu einer vollkommenden Wetterprognose aus. Das Wetter hängt außer von den Schwankungen des Luftdrucks auch in hohem Maße von denen der Luftfeuchtigkeit und -temperatur ab. Der Gebrauch von Barometer und Thermohygroskop zusammen ermöglicht demnach erst eine wirklich befriedigende Wettervorhersage.
Das Lambrecht`sche Barometer verfügt daher nicht wie andere Barometer auf der Scalenplatte über Angaben wie "Schön, Veränderlich oder Trocken". Dafür wurden die Doppelscalen für jeden Käufer speziell angefertigt und der Ortsname, für dessen Höhe die Scala hergestellt wurde, ist ersichtlich.
Die linke rote Scala, die den normalen Stand für den Meeresspiegel
anzeigt. war vorgefertigt. Die rechte schwarze Scala für die Ortshöhe
wurde handgemalt. Die Lambrecht`schen Barometer verfügten über ein
aufwendiges Werk mit doppelter Dose. Die einfachen Scalen waren aus Karton,
die besseren und witterungsbeständigen aus Milchglas.
Zeigerbilder
auf der Prognosetabelle
Der Gebrauch von Barometer und Thermo-Hygroskop zusammen ermöglicht demnach erst eine wirklich befriedigende Wettervorhersage. Da aber die Auswirkung der Angaben beider Geräte zuverlässig nur auf Grund langjähriger Erfahrungen erfolgen kann, muß sich der Beobachter der Zeigerbilder bedienen, um einwandfreie Erfolge zu erzielen. In den Zeigerbildern und den Regeln ist genügend Spielraum gelassen, um landschaftlichen Besonderheiten Rechnung tragen zu können.
Die Zeigerbilder findet man auf den so bezeichneten Prognosetabellen,
die in Papierform hinter Glas montiert wurden. Gegen Aufpreis konnte der Besteller
die Prognosetabelle auch in der wetterfesten Version auf weiß emaillierter
Eisenplatte bestellen. Auf Karton in solidem Eichenholzrahmen konnte man die
Tabelle ebenfalls erhalten.
Da für die Wettervorhersagen die Zeigerbewegungen (fallend oder steigend) von Wichtigkeit sind, gehören zu den Geräten zwei Markierzeiger, die jeden Morgen auf den Zeigerstand der Geräte einzustellen sind. Die Bewegungen der Gerätezeiger sind dann durch Vergleich mit den feststehenden Markierzeigern jederzeit ersichtlich. Die Markierplatten gab es in unterschiedlichen Ausfertigungen, unter anderem auch als Briefbeschwerer montiert. Eine exclusive Version konnte nur mittels eines Schlüssels bedient werden, um die Einstellung vor "unberufener Hand " zu schützen.
|
frühes Thermohygroskop (Tischausführung) mit Papierskala
|
|
|
Ein sehr früher Patent-Wettertelegraph um 1890 und dessen Aufarbeitung. Wettertelegraphen kann man heute nur noch selten finden. Die Benuzung im Freien erklärt, warum nur noch wenige Exemplare erhalten geblieben sind. Das massive Eichenholz verwittert mit den Jahren. Die Metallteile korrodieren und Witterungstabellen aus Papier werden feucht. Trotzdem kann es sich lohnen, einen gemeinhin schlecht erhaltenen Wettertelegraphen aufzuarbeiten, sofern der Holzkorpus und alle Instrumente vorhanden sind, wie das Beispiel links zeigt. Bildquelle: Privatsammlung |
|
Ein Wettertelegraph um 1904 mit Papierskalen und Karton-Prognosetabellen im absoluten Originalzustand. Eine der Prognosetabellen ist mit 1904 datiert. Der Prospekt von 1907 siehe weiter unten zeigt das gleiche Modell.
Bildquelle: Privatsammlung |
|
|
Ein Wettertelegraph um 1905 mit Milchglasskalen und Karton-Prognosetabellen
Bildquelle: Privatsammlung |
|
|
Ein Wettertelegraph ca. 1902 mit Milchglasskalen und Karton-Prognosetabellen mit "neuestem Markör" und amtlich geprüftem Thermometer.
Bildquelle: Privatsammlung |
|
|
Télégraphe météorologique de Lambrecht ein Wettertelegraph für den französischen Markt mit Milchglasskalen und Emaille-Prognosetabelle hergestellt zwischen 1923 und 1936
Bildquelle: Privatsammlung |
|
|
Ein späterer Wettertelegraph nach 1936 mit Kartonskalen man konnte meist ein und dasselbe Modell in verschiedenen Ausführungen kaufen. Eine Instrumentenbestückung mit Kartonskalen und Karton-Prognosetabellen war ca. 40 % günstiger im Preis - allerdings nur für geschützte Bereiche wie Bahnhofshallen, Hotel-Eingangsbereiche u.a. geeignet.
Bildquelle: Privatsammlung |
|
|
Lambrechts`s Reise-Wettertelegraph im Brieftaschenformat. ca 1918 bis 1940
Bildquelle: Privatsammlung
|
|
Der Wettertelegraph in Wettersäulen und Wetterwarten in den Lambrecht`schen Wettersäulen war jeweils eine der vier bis sechs Seitenflächen für den Wettertelegraphen reserviert. In Kombination mit weiteren meteorologischen Instrumenten wie z.B. dem Polymeter oder selbstregistrierenden Instrumenten, z.B. Thermograph oder Barograph wurde der Wettertelegraph auch in Schaukästen, den sogenannten Wetterwarten eingebaut. |
|
andere Instrumente der Firma Lambrecht
|
Luftprüfer ein von Lambrecht in Göttingen angegebenes Instrument zur Beurteilung des Feuchtigkeitsgehalts der Zimmerluft. Es ist ein Haarhygrometer, dessen Zeiger den relativen Feuchtigkeitsgehalt der Luft angibt. Über den Ziffern für relative Feuchtigkeit sind aber außerdem Temperaturgrade angebracht, und in der Mitte steht die Vorschrift: "Der Zeiger des Hygrometers soll auf denselben Temperaturgrad zeigen, den ein neben dem L. hängendes Thermometer angibt". Ist dies der Fall, dann besitzt die Zimmerluft innerhalb derjenigen Temperaturgrenzen, die für den Aufenthalt im Zimmer maßgebend sind, denjenigen Feuchtigkeitsgrad, welcher nach Erfahrung und speziellen Untersuchungen am zweckmäßigsten ist. Der Luftprüfer ist auch als meteorologisches Instrument verwendbar. Wenn der Zeiger mit dem Thermometer übereinstimmt, so liegt der Taupunkt der Luft bei 12,5°; steht der Zeiger im Freien um 12,5° höher als das Thermometer, so liegt der Taupunkt bei O°, und es ist eine bekannte Regel, daß Nachtfrost eintritt, wenn der Taupunkt des Abends unter O° sinkt. Anderseits tritt bei einem Taupunkt von 16,5-17° und mehr fast regelmäßig Gewitter ein, und man hat daher ein solches zu erwarten, wenn der Luftprüfer im Freien um 4° oder mehr unter dem Thermometer anzeigt. Vgl. .Fleischer, Gesunde Luft (Göttingen1885)
|
Kosmos-Thermometer um 1900
Bildquelle: |
|
verschiedene Instrumente in Wettersäulen
|
zum kompletten Katalog über Lambrecht`s Wettertelegraphen
Quellen: Die Broschüre " Lambrecht`s Thermohygroskop und Wettertelegraph" wurde uns freundlicherweise von Herrn Gerhard Stöhr zur Verfügung gestellt.