Deutschland- Nürnberg - Königstraße - Lorenzer Platz

 

 

Dieses mit Uhr und meteorologischen Instrumenten ausgestattete Wetterhäuschen wurde 1878 vor der Lorenzkirche aufgestellt. In den 50er Jahren wurde es abgerissen, 1978 zum 100. Geburtstag wieder originalgetreu aufgebaut.

In einem der Schaukästen befinden sich die meteorologische Instrumente. In dem zweiten Schaukasten werden wechselweise Informationen der Stadt Nürnberg ausgehängt.

TREFFPUNKT: »AM WETTERHÄUSLA«

Im Juli 1878 errichtete die Nürnberger Stadtverwaltung am Lorenzer Platz das erste Wetterhäuschen mit einer Uhr, die vier Zifferblätter nach allen Windrichtungen hatte und den neugierigen Wetterforschern die Tageswärme, Wetterbeschaffenheit, Wetteraussichten, Luftdruck und den Wasserstand der Pegnitz getreulich anzeigte.

Wie das Grabmal Theoderichs in Ravenna stand es auf seinem prominenten Platz im Herzen Nürnbergs und wie auf einer einsamen Insel. Wenn die damaligen Gemeinderäte aber gedacht hatten, daß sich nur die Wetterkundigen dort einfinden würden, so hatten sie sich darin gründlich getäuscht. Nur die wenigsten Nürnberger schätzten die tägliche Berichterstattung über die jeweilige Wetterlage.

Die Mehrzahl der täglich dort anzutreffenden Leute benützten das "Wetterhäusla" zu ganz anderen Zwecken. Wenn sich zwei junge Menschen kennen- und liebenlernten, wollten sie sich sooft wie möglich treffen und dabei diente das Wetterhäuschen sozusagen als unfreiwillige Kupplerin. Man traf sich meistens am "Wetterhausla" und unzählige Ehen sind aus diesen anscheinend zufälligen Zusammenkünften am Lorenzer Wetterhäuschen entstanden, wenn man sich so ausdrücken darf.

Im Laufe der Jahrzehnte entstanden an den verschiedenen Nürnberger Kernpunkten, wie am Spittler- und Königstor, am Aufseßplatz usw., neue Wetterhäuschen, aber die Urmutter all dieser Wetterhäuschen war und blieb bis zum Ende des zweiten Weltkriegs das "Wetterhäusla", unter dem man nur das am Lorenzer Platz verstand.

Wenn die Nürnberger nicht wußten, wohin sie nach des Tages Last und Mühen ihr Ei legen sollten, trafen sie sich am "Wetterhäusla". Erst dort entschieden sie sich, ob sie ins "Apollo", in die "Himmelsleiter", ins "Intime Theater" oder ins "Cafe Metropol" oder in den "Königshof" gehen wollten. Es lag ja so günstig im Kernpunkt aller Vergnügungsinstitute, die man in einigen Minuten bequem erreichen konnte. Weiterhin bildete das Wetterhäuschen am Lorenzer Platz sozusagen den Scheitelpunkt des Alt-Nürnberger Stadtbummels, der sich vom Königstor bis zum Hefnersplatz hinzog, so daß man ständig seine Bekannten treffen und sehen konnte. Am Wetterhäuschen ging nichts verloren! Hier war man ständig im Schaufenster der Stadt. Und wenn man seinen Bekannten weder telephonisch oder persönlich erreichen konnte, brauchte man sich nur eine Zeitlang an das Wetterhäuschen zu stellen und das Warten wurde belohnt: man fand die Gesuchten in der Innenstadt und der ganze Verkehr war auf diesen Punkt beinahe automatisch konzentriert. Und wenn man schon jahrelang verheiratet war und das Wetterhäuschen für seine Zusammenkünfte nicht mehr nötig hatte, schlenderten die alten Herren mit ihren hohen Doppelkragen und Kronprinzen-Spazierstecken oft und gerne um das Wetterhäuschen, um sich mit bekannten Familien zu treffen. Man blieb ihm treu, dem guten, alten Wetterhäuschen aus dem Jahre 1878.

Ich weiß nicht, warum man sich nach der Zerstörung des Wetterhäuschens entschloß, das historische Bauwerk ganz verschwinden zu lassen. Es müssen wohl Leute gewesen sein, die Angst vor dem aufkommenden Großstadtverkehr oder keine Ambitionen für den Treffpunkt der alten und jungen Nürnberger hatten. Verkehrstechnisch gesehen, ist wohl keine rechte Begründung für das Verschwinden dieses historischen Stückes aus der Nürnberger Geschichte zu verstehen, denn der Platz ist heute noch vakant und das Wetterhäuschen würde auch heute keinen Menschen stören, zumal ja genügend Platz dort ist und die alte Insel erhalten blieb.

Auch die vierblättrige Uhr vermißt man, auf die man von allen Seiten des Lorenzer Platzes aus bequem sehen konnte. Nachdem unsere Innenstadt ohnehin recht spärlich mit Uhren gesegnet ist -- die Apotheken machen eine rühmliche Ausnahme! -- wäre auch aus diesem Grunde die Wiedererrichtung des "Wetterhäuslas" sehr zu begrüßen. Vielleicht kommt einer unserer Stadträte auf den vortrefflichen Gedanken, die Wiederauferstehung unseres alten Lieblings anzuregen. Es wäre wahrhaftig ein ausgezeichneter Gedanke!

aus: Peter Luginsland: Das war'n halt noch Zeiten! - Nürnberg um die Jahrhundertwende Verlag Nürnberger Presse, 1963

Fotos: Uwe de Freese im Mai 2003
s/w- Foto: www.bildindex.de

Ansichtskarte: Paul Bächtiger

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