Ilmenau / Thür. - Deutschland

Wettersäule in Ilmenau / Thüringen errichtet 1895 oder 1896. Die Instrumente sind fast gänzlich erneuert worden. In der Kuppel sind folgende Motive für die vier Tageszeiten zu sehen: Hahn für den Morgen, Bienenkorb für die Mittagszeit, Fledermaus für den Abend und Eule für die Nacht. Die Detailfotos zeigen noch die Säule vor der Neugestaltung der Friedrich-Hofmann-Straße, an deren östlichen Ende die Wettersäule steht. Im August 2004 hat die Säule einen neuen Sockel und einen Farbanstrich erhalten.

Sonderseite: Die Annoncen-Uhr-Actien-Gesellschaft

die Henne ( Heimatzeitung ) schrieb damals.

Am 17. August wurde eine prächtige meteorologische Säule, ein Geschenk der Thüringischen Glasinstrumentenfabrik von Alt, Eberhardt & Jäger in Ilmenau, in der Lindenstraße aufgestellt. Ueber diese Säule schreibt die "Henne":

Stolz lugt seit gestern Morgen zwischen unseren Lindenhäuptern die neue meteorologische Säule hervor, so könnte man gleich Scheffel'scher Dichtungsart sagen, und in der That finden wir dort am geeignetsten Platze, zwischen Hotel Tanne und Kurhaus belegen, wo bekanntlich unser Fremdenstrom in der Hochsaison am meisten auf- und abwogt, ein Häuschen in geschmackvollster Ausstattung errichtet, welches zur Zierde unserer Stadt mit beitragen soll. Dasselbe ist aus der hiesigen Fabrik von Alt, Eberhardt & Jäger hervorgegangen und der Stadtgemeinde zum Geschenk gemacht worden. Die Säule macht den Leistungen genannter Firma alle Ehre, und ist dem Schöpfer dieses Gedankens jedenfalls zu gratuliren, wie auch wir für unseren Theil hiermit gethan haben wollen. Können wir doch stolz darauf sein, einen Schmuck, eine Zierde inmitten unseres Bade- und Luftkurortes zu haben, wie ihn kein Thüringer Bade- und Luftkurort z.Z. aufzuweisen hat; auch Thüringens Weltbad "Friedrichroda" hat es bis jetzt noch zu keiner derartigen meteorologischen Säule gebracht und wird sein Konkurrenzbad beneiden.

In Berlin fängt man jetzt endlich auch an, diesen meteorologischen Säulen mehr Aufmerksamkeit als bisher zu schenken und man will außer den drei veralteten Säulen auf jedem öffentlichen Platze, im Ganzen ca. 150 neue Wetterhäuschen errichten, ein Beweis, daß im Volksinteresse, sowie in wissenschaftlicher Beziehung die Errichtung derartiger Säulen zum Bedürfnis des Zeitgeistes geworden ist. Auf die vielen Instrumente und sonstigen Angaben, welche auf der meteorologischen Säule, die ca. 3 Meter Höhe und 1 Meter im Quadrat hat, sich befinden, gehen wir im Interesse der auswärtigen Leser unseres Blattes näher ein. Das Wetterhäuschen enthält im Inneren ein Quadrat-Postament, auf welches starke schwarze Spiegelglasscheiben auf den Holzrahmen geschraubt sind, an den Ecken befinden sich vier verspiegelte starke Glasröhren, das Ganze überragt ein in Gußeisen ausgeführtes und im Renaissancestyl gehaltenes Quadrathäuschen mit Spiegelscheiben, welches von unten her genügend Luftzutritt und oben Luftaustritt hat. Dasselbe ist in höchst gediegener Weise in schwarzem und Goldbroncefarbenanstrich hergestellt und wie wir hören, von Herrn Maler Pfeffer hier ausgeführt worden.

Die Säule enthält folgende Instrumente, und zwar auf der einen Seite ein Quecksilber-Thermometer auf Porzellanplatten-Untergrund, wobei in übersichtlicher Weise die Grade über 0 in schwarzer Schrift, die Grade unter 0 in rother Schrift ausgeführt sind. Auf der anderen Seite, welche schon reichhaltiger ist, befindet sich ein Metall-Barometer oder richtiger als Luftdruckmesser bezeichnet; da derselbe nicht dazu da ist, um den Bezeichnungen "Schön Wetter, Veränderlich, Regen" zu ihrem Rechte zu verhelfen, sondern nur um die Verdichtung oder Verdünnung der Luftsäule, welche wir Erdenbewohner fortwährend zu tragen haben, durch eine mechanische Bewegung zu demonstriren, denn bekanntlich hat jeder Mensch z. B. bei einem Barometerstande von 760 mm am Meere eine Luftsäule im Gewichte von ca. 30 000 Pfund zu tragen. Da wir uns aber in höherer Ortslage als die Meeresstrandbewohner befinden, so ist der Druck der Luftsäule natürlich auch viel geringer, daher auch die leichte Erreichbarkeit unserer Bergeshöhen selbst von älteren Leuten. Als weiteres Instrument ist ein Hygrometer oder Feuchtigkeitsmesser angebracht, welcher die feuchte Luft, in Prozenten ausgedrückt, anzeigen soll; auch dieses ist, so klein es auch ist, bei unseren gesegneten Regentagen, besonders in letzter Zeit, nicht zu verachten.

Dazwischen befindet sich eine blaue Schrifttafel mit recht interessanten Notizen, sowohl über die seit ca. Anfang des Jahrhunderts bestehende Bevölkerungsbewegung in Ilmenau, als auch über die Bewegung des Fremdenverkehrs bezw. unseres Badelebens seit den sechziger Jahren. Endlich befinden sich die Besuchstage unseres Altmeisters der Dichtkunst, Wolfgang v. Goethe, welcher gar gern und oft in seinem Ilmenau weilte, darauf angegeben, sowie die Nachbildung der Schriftzüge seines unsterblichen Nachtliedes: "Ueber allen Gipfeln ist Ruh'", welches er bekanntlich mit Kohle auf die eine Bretterwand im Innern des Goethehäuschens niedergeschrieben hatte. Die Nachbildung ist äußerst geschmackvoll und, wie wir in Erfahrung gebracht haben, von dem Arbeiter Herrn Höhn ausgeführt worden. Dem Ganzen schließt sich alsdann ein Maximal- und Minimalthermometer an. Derselbe trägt in den beiden Quecksilberschenkeln zwei eingeschlossene Stahlmarken, welche beim Einstellen des Thermometers mittels Magnet auf die Quecksilberkuppen aufgeführt werden müssen. Bei Luftveränderung verschieben sich diese Stahlmarken, so daß man nach beliebigem Zeitraum, insbesondere während der Nachtzeit, stets am anderen Morgen den gewesenen höchsten und niedrigsten Barometerstand ablesen kann. - Auf der dritten Seite befindet sich ein Quecksilber-Barometer mit einer sehr starken Quecksilbersäule welche Systeme bekanntlich die allergenauesten Instrumente sind und nur wegen des oftmaligen Transportbruchs fast gar nicht mehr verkaufsfähig sein sollen. Dieser Barometer soll, wie wir hören, nur zur Kontrolle des Metallbarometers angebracht sein. Auch an diesem befinden sich zwei Markirzeiger, welche die Barometerstände von Morgens 6 Uhr und Abends 6 Uhr angeben, damit man jederzeit sich seine Kombination über die Witterung der nächstfolgenden Zeit machen kann.

Rechts und links von diesem Quecksilberschenkel befinden sich wiederum zwei blaue Platten, auf welchen man in höchst übersichtlicher und geschmackvoller Weise die 1/4-, 1/2-, 3/4-, und 1/1-Tages-Fuß- sowie Wagen-Partien in unsere Umgegend aufgezeichnet vorfinden kann, und zwar in ca. 20 verschiedenen Wegtouren. Sehr schön ist es, dabei gleichzeitig die Höhenlagen zu finden, welche manchen interessanten Aufschluß über die zu überwindenden Steigungen geben. Die Platten sind zum Auswechseln, bezw. zur Ergänzung anderer Touren eingerichtet. Hoffentlich hört man von den Fremden nun nicht mehr allzu oft die Bemerkung: "Ich bin acht Tage hier in Ilmenau und habe alles gesehen", während dieselben unsere allerschönsten Touren noch gar nicht kennen gelernt haben, da solche auch in Reise- und Handbüchern nie zu finden sind. - Auf der vierten Seite befindet sich ein Normalthermometer in 1/5 Grad eingetheilt, sowie ein Erdbodenthermometer, welcher die Erdtemperatur in ca. 1 1/2 Meter Tiefe noch in 1/10 Graden genau anzeigen soll. Auch dieses zu wissen ist für unsere Landwirthschaft treibenden Bewohner besonders im Frühjahre von außerordentlichem Werth. Oben darüber befindet sich je ein Maximal- und Minimal-Thermometer mit Stahlmarke, welche die Temperaturen noch auf 1/5 Grad genau angeben sollen und sonst den Zweck haben, wie der beschriebene große Thermometer auf Seite 2.

Zwischen diesen Thermometern befindet sich eine blaue Tafel, welche in deutlicher Ausführung Beobachtungsnotizen über die hiesigen Witterungsverhältnisse giebt, sowie verschiedene unser jüngeres Geschlecht am meisten interessirende Notizen über den Flächengehalt unserer Stadt, sowie des Großherzogthums an Waldungen, Wiesen, Wegen... und endlich einige Gründungstage unserer am meisten frequentirten Badeanstalten... aufweist. Zur Ausnutzung dieser Seite sind noch zwei gelbliche Gravurplatten auf blauem Untergrunde aufgehängt. Die eine Platte stellt unsere beliebtesten Ausflugspunkte: das Gabelbachhäuschen, den Kickelhahnthurm und das Goethehäuschen dar, die andere Platte aber zeigt die unsere Gegend berührenden Wappen und zwar das Ilmenauer Stadtwappen, das Wappen des Großherzogthums Sachsen-Weimar-Eisenach, sowie das Wappen des früheren Henneberger Landes. Beide Gravurplatten sind in äußerst geschmackvoller und künstlerischer Ausführung, wie wir hören, von dem Werkmeister Herrn Tischer, hergestellt worden. Aber auch den anderen Arbeitern dieses Etablissements, welche ihr Bestes zu diesem öffentlichen Schaustück geleistet haben, insbesondere sollen es die Herren Greiner, Kahl, Höhn, Juffa... gewesen sein, gratuliren wir zu ihrem besten Können. Die Firma-Inhaber aber haben sich durch diese Stiftung ein Denkmal für alle Zeiten gesetzt, über welches sich die Einwohner Ilmenaus, sowie die uns beehrenden Fremden sicherlich nur freuen werden. Giebt doch eine derartige Säule gar oft Anhaltspunkte über die nächsten Witterungsverhältnisse, was sowohl für den Touristen, als auch für die Landwirthschaft treibende Bevölkerung bei in Angriff zu nehmenden Arbeiten von großem Vortheil ist."

Fotos und Informationen Olaf Gottschall - Ilmenau: http://www.ilmenau.com


Übersicht Wettersäulen

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