Schweiz - Huttwil im Kanton Bern
Diese
1928 vom Verschönerungsverein in Huttwil errichtete Wettersäule
wurde 1992 restauriert.
aus:der Regionalzeitung "Unter-Emmentaler" vom 17.3.1992
Der Verschönerungsverein Huttwil will die Wettersäule restaurieren.
Verjüngungskur für ein Kleinod.
Vor dem Notar-Minder-Haus an der Bahnhofstrasse 11 in Huttwil steht die Wettersäule.
Wie alte Ansichten zeigen, war ihr Platz ursprünglich ziemlich in der Mitte
vor der grossen Treppenanlage auf dem Trottoir. Heute jedoch fristet sie ein
recht verstecktes Dasein neben dem Haus. Der grosse Tujabaum dahinter hat
sie oben überwachsen. In den letzten Jahren wurde auch der Unterhalt vernachlässigt.
Trotzdem bilden die beiden grossen Instrumente, die noch funktionieren, das
Thermometer und das Barometer, einen Anziehungspunkt für Passanten.
Eine Wettersäule gehörte bereits kurz nach der Gründung im Jahr 1908 zu den
Vorhaben, die der Verschönerungsverein aktiv verfolgte. Lange Zeit scheiterte
die Realisierung, weil kein geeigneter Platz gefunden werden konnte. Erst
1924 zeichnete sich die Lösung beim Notar-Minder-Haus ab. Eigentlich war vorgesehen,
die Säule zusammen mit anderen Verschönerungen des Ortsbildes bis zum Emmentalischen
Landesschiessen im Mai jenes Jahres zu errichten. Wegen weiteren Verzögerungen
konnte sie dann erst am 8. Dezember 1924 dem Betrieb übergeben werden.
Vier Elemente
Die Säule aus imitiertem Solothurnerstein wird von einer Kugel gekrönt, auf
der symbolisch die vier Elemente Feuer, Luft, Wasser und Erde dargestellt
sind.
Neben dem Thermometer und dem Barometer enthält die Säule auch ein selbstregistrierendes
Barometer, auf dem der Luftdruck früher während sieben Tagen aufgezeichnet
worden war, und einen Feuchtigkeitsmesser. Auf der Rückseite schliesslich
sind die Konstanten des Standortes auf einer Tafel festgehalten: Geographische
Länge 7 Grad 52 östlich Greenwich; nördliche Breite 47 Grad 08; Höhe über
Meer (Schwellenhöhe) 640 Meter; mittlerer Barometerstand 706,5 Millimeter;
mittlere Jahrestemperatur 7,5 Grad; mittlere jährliche Niederschläge 1050
Millimeter.
Bevor Radio und Fernsehen ihn überflüssig machte, war auf dieser Seite auch
ein Behälter angebracht, in den die per Telegraph übermittelte Wettervorhersage
gesteckt werden konnte. Die restaurierte Säule wurde am 4. Dezember 1992 eingeweiht.
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aus der Regionalzeitung "Unter-Emmentaler" vom 16.12.1924
- Huttwil. (Korr.) "S'isch doo…" "Wä isch dooo?" "He, wä ächt,
au s'Wättersäuli", so hörte man letzten Montag die liebe Jugend rufen. In
der Tat konnte Montag die Wettersäule endlich dem Betriebe übergeben werden.
Zwar ist das Landesschiessen vom vergangenen Wonnemonat, auf welchen Zeitpunkt
diese Wettermaschine hätte erstellt werden sollen, längst vorbei und nur noch
mit Wertschriften aller Art gefüllte Portefeuilles zeugen von verschwundener
Pracht. - Die Gründe der Verzögerung sind verschiedener Art. Nun aber steht
sie und präsentiert sich ganz hübsch.
Mangels eines öffentlichen Platzes, erhielt sie Aufstellung vor dem Hause
des Herrn Notar Minder, und bildet die, die ganze Länge des Hauses einnehmende
Freitreppe aus Solothurnerkunststein einen sehr passenden Hintergrund. Die
halbrunde Aufstiegstreppe sowie die Säule selbst sind aus ächter Solothurnersteinimitation
angefertigt. Auf schweren Sockel folgen vier elegante Säulen zwischen denen
der eiserne Instrumentenkasten montiert ist. Auf diesen folgt ein verziertes
Kapitäl und als oberer Abschluss eine von den vier Elementen: Feuer, Luft,
Wasser und Erde getragene Weltkugel, die noch einen Meridian aus Bronze erhalten
wird.
Gegen die Strasse, also nach Norden, trohnt unter der Kugel die Versinnbildlichung
des ältesten Huttwilers, nämlich des "Blasers" mit aufgedunsenen Backen gleich
einem Posaunenengel. Darunter ist das mit blauem Weingeist gefüllte Thermometer
angebracht. Leider können nur Kälten bis zu 34 Grad Celsius gemessen werden.
- Nach Osten sehen wir die Darstellung der Erde durch einen Bündel Kristalle.
Darunter befindet sich das "Selbstregistrierende Barometer (Barograph) mit
Uhrwerk und Trommeln für eine Umdrehung in 7 Tagen. Jeden Montag früh muss
der Barograph aufgezogen werden und erhält einen neuen Streifen als Arbeitsfeld
für die laufende Woche. Unter dem Barograph ist das Haarhygrometer plaziert
(Feuchtigkeitsmesser) mit einer Skala von 0-100 Prozent Feuchtigkeit.
Auf der Westseite hat oben die Darstellung des Feuers Platz gefunden in einem
Flammenbündel. Darunter befindet sich das "Quecksilberbarometer" auf Eichenholz
montiert mit Messingskala in Millimetereinteilung und gravierten Blockzahlen.
Bei 715 Millimeter gravierte Aufschrift "Mittlerer Barometerstand". Die Südseite
weist oben die Darstellung des Wassers auf durch einen Fisch, dem Luftblasen
aufsteigen. Darunter befindet sich ein Gehalt zur Aufnahme der täglichen Wettervoraussage
wie sie auf Neujahr - nebst dem Wettertelegraph der Station - vorgesehen ist.
Die im untern Feld befindliche Konstantentafel weist folgende Angaben auf:
Geographische Länge 7 Grad 52 östlich Greenwich. Östliche Breite 47 Grad 08.
Höhe über Meer (Schwellenhöhe) 640 Meter. Mittlerer Barometerstand 706,5 Millimeter.
Mittlere Jahrestemperatur 7,50. Mittlere jährliche Niederschläge 1050 Millimeter.
Errichtet 1924 vom Verschönerungsverein Huttwil. Damit wäre wieder ein längst
projektiertes Werk des Verschönerungsvereins ausgeführt. Im Frühjahr, wenn
"Vogeli fiff" erhält die nächste Umgebung der Säule noch etwelchen Pflanzenschmuck.
Es ist gut, wenn mit der Wettermacherei endlich einmal eine Änderung eintritt.
Mit dem bisherigen Modus, wonach jeden Mittwoch das Wetterprogramm für weitere
acht Tage aufgestellt wurde nach dem Grundsatz: Vormittag-Nomittag, Nomittag-Vormittag
kann nun aufgeräumt werden und das Orakel - aber nicht dasjenige von Delphi
- wird keine Arbeit mehr bekommen.
Über die Kosten der Erstellung, darüber wird nur denjenigen Auskunft erteilt,
die sich mit einer durch 100 restlos teilbaren Zahl beteiligen, Auskunft gegeben,
ja, in Frankenwährung. - Möge die Wettersäule alle auf sie gestellten Hoffnungen
erfüllen und verhüten, dass es jemals wieder "gut gewittertes Heu gibt. Einer
unserer früheren Wetterpropheten, Marcello Croppi, hat jeweilen gesagt: "Das
Wetter isch ned guet wenn der Hüehner fiff".
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Dazu im UE vom 26.8.1933 (25 Jahre Verkehrs- und Verschönerungsverein Huttwil):
Bei der Erstellung einer Wettersäule verursachte die Platzfrage viel Kopfzerbrechen. Beim Besuch der Herren Indermühle und Link bei Anlass der Städtlibrunnenrenovation am 14. März 1924, wurde diesen Herren auch die Beurteilung der Platzfrage für die Säule unterbreitet. Bei diesem Anlass wurde der schöne Platz vor dem Hause des Herrn Notar Minder als der absolut geeignetste erachtet und mit dem Bau wurde dann auch begonnen. Am 8. Dezember 1924 konnte die schöne Wettersäule dem Betrieb übergeben werden. Kostenfolge für den Verein Franken 2930.-. Im Jahre 1932 erfolgte eine gründliche Renovation der Apparate usw.. Kostenpunkt Fr. 400.
Der Wetterbericht von Zürich wurde ab 1925 für fünf Sommermonate für die Wettersäule und den Wettertelegraphen auf dem Bahnhof abonniert, aber ab 1929 wieder eingestellt, da durch den Radio konkurrenziert. Auf vielseitiges Verlangen wurde aber der Wetterbericht wieder abonniert und kostet den Verein Fr. 40 pro Jahr. Der auf dem Bahnhof im Jahr 1918 erstellte Wettertelegraph kostete den Verein Fr. 160.20.
Fotos im April 2004: Hans-Peter Ryser
Ansichtskarte: Beat-Lanz-Meyer, Huttwil
Informationen: Jürg Rettenmund